1. Tag

„Fahrrad-free"- mit diesem Schlachtruf starteten wir mal wieder eine Radtour, die uns nach Polen führen sollte, nach Moryn (schlappe 80 km), als erste Etappe auf der diesjährigen Herrentagstour.

Der Tag begann wunderbar mit gutem Wetter und Sonnenschein. Die Taschen waren gut gepackt, mit allem was man so braucht, um in der polnischen „Wildnis" zu überleben, natürlich auch mit diversen geistigen Getränken, die wir aber noch in Polen preiswert auffrischen wollten. Als erste Tagesetappe machten wir uns auf den Weg nach Kostrzyn (Küstrin), auf der deutschen Seite der Oder, in Richtung Norden. Da wir vorn und hinten voll gepackt waren mit Radtaschen, entschlossen wir uns die B 112 nach Lebus zu nehmen, um dann auf den Oder-Radweg zu wechseln. Man kann zwar auch bis Lebus die Oder entlang fahren, was aber ein wenig bucklig ist mit Gepäck, da kein einigermaßen vernünftiger Radweg existiert. Eine kleine Beschreibung dieses Weges erfolgt bald auf dieser Homepage.

Ab Lebus rollt es sich dann wunderbar auf dem Oderdamm entlang durch das Oderbruch, entlang einer einmaligen Flusslandschaft. Wunderschöne Aussichten auf den Fluss und das Bruch laden zum Rast machen ein, was wir natürlichen an einem solchen Tag auch nutzten, um es gemütlich anzugehen.

Am Ende des Dammweges stößt man auf die Straße nach Küstrin, der man rechts folgt, zum Grenzübergang. Hinter dem Grenzübergang fährt man dann nach links in Richtung Zentrum. Linkerhand ist eine Tankstelle und rechts sieht man den Markt von Küstrin, wo man noch ein wenig Proviant bunkern kann. Immer auf der Fernstraße 22 entlang und dann auf den linken Abzweig zur 118 in Richtung Sarbinowo achten. Von da ab ging es immer auf dieser 118 weiter bis Moryn, auf einer zuweilen hügligen Strecke, wo uns wieder mal der Gegenwind etliches abforderte. Nach ein paar Pausen mit „Lech"- Pilsener und auch fester Nahrung, erreichten wir ziemlich geschafft das idyllische Städtchen Moryn, wundervoll gelegen an einem See.

Warum gerade Moryn, als Etappenziel? Ich entdeckte diesen tollen Ort auf meiner Polen- Ostseeküsten- Tour 2001, die ich allein unternahm, mit Start und Ziel Frankfurt (Oder). Dies war auch meine erste Etappe auf dieser Tour und ich wollte meinen Radfreunden dieses Kleinod nicht vorenthalten.

Falls man noch etwas Zeit hat sollte man unbedingt diese Stadt besichtigen, oder man verschiebt es auf den nächsten Tag. Aber nicht verpassen, dieses tolle Ensemble alter Häuser. Wer mehr über Geschichte und Gegenwart der Stadt erfahren möchte, dem empfehle ich die sehr gute zweisprachige Homepage von Moryn:
http://www.moryn.pl/DE.dhtml, voll gepackt mit Infos und Bildern.

So angekommen gibt es ja immer das Problemchen einen geeigneten Campplatz zu finden. Das dürfte hier nicht das Problem sein. Am besten bevor man in den ort reinkommt nach rechts ab in Richtung Gadno, aber nur ein kleines Stück, um sofort nach links zum See einzubiegen. Früher gab es dort mal einen Biwakplatz, der wohl nicht mehr betrieben wird. Trotzdem kein Problem sich irgendein anderes lauschiges Plätzchen auszusuchen.

So, Feuerholz gesammelt den Kocher in Gang gebracht und der gemütliche Teil, deshalb macht man doch solche Touren, konnte beginnen.

 

 

 

2. Tag

Nach einem herrlichen Lagerfeuerabend und wohlverdienter Nachtruhe, kann der zweite Tag beginnen. Meine beiden Begleiter nutzten den Morgen, da sie aufgrund von Kleinkinder Frühaufsteher sind, zu einem morgendlichen Reste vernichten, das natürlich mit einer gewissen Lautstärke vonstatten ging, der meinen Schlaf verkürzte.

Nach einem ausgiebigen Herrenfrühstück ruck zuck den ganzen Campingkrempel zusammenpacken und Abfahrt, die nächste Etappe.

Den 2. Tag wollten wir noch in Polen verbringen, ganz locker und ohne Stress, in der Umgebung. Als erstes auf nach Chojna (Königsberg), einem kleinen schon seit dem frühen Mittelalter bestehendes Städtchen (www.chojna.pl) mit einer alten Backsteinkirche, Stadttor, Rathaus.

Da uns der Hunger plagte, waren wir auf der Suche nach einer preiswerten Futterkiste. Wir fanden in der Innenstadt eine „Kuchnia Domowina", polnische Hausmannskost. Preiswert und lecker. Riesenschaschlik, super Bigosch mit Stampfkartoffeln und, und ... . Jedenfalls steigt man vollkommen gesättigt aufs Radel und hat Probleme fort zu kommen. Am nächsten Tag nutzten wir dieses Angebot noch einmal.

Nach Auffrischung der geistlichen Getränke und Weiterfahrt nach Trzcinsko-Zdroj, einem kleinen Städtchen mit wunderschönem Marktplatz, hatten wir eigentlich gedacht , es reicht für heute und suchten uns auf der Karte einen See aus für die nächste Übernachtung. Essen, Trinken, Party, all inclusive-free. Also auf zum Jezioro Strzeszewskie nördlich gelegen von Trzcinskie-Zdroj.

Leider verschlechterte sich das Wetter und es wurde zunehmend windiger aus westlicher Richtung. Trotz allem fanden wir einen relativ guten windgeschützten Platz, an dem wir auch bald Besuch bekamen von zwei polnischen Frauen mit Kind, nebst Hund. Eine der Beiden sprach sehr gut Deutsch, da sie in Deutschland arbeitet und lebt. Nach einem ausgiebigen Schwätzchen und gemeinsamen Biertrinken mussten sich die Damen leider nach Hause begeben und wir konnten uns wieder unserer Überlebenstätigkeit widmen, dem Holz sammeln, Feuer machen, Essen zubereiten und natürlich spirituelle Flüssigkeiten dem ausgedörrten Körper zuzuführen. Nach einer windigen Nacht und dicken Kopf mussten wir den 3.Tag ein wenig härter angehen lassen.

 

3.Tag

Wir hatten einen schönen Tag vertrödelt und mussten nun mal wieder in die Pedalen treten. Nach einem Mittagstop in der „Kuchnia Domowina" machten wir uns auf den Weg nach Schwedt, um in Richtung Heimat zu kommen.

Auf der 124 nach Chojna und dann die 173 in Richtung Schwedt zum Grenzübergang. Von Schwedt aus ging es wieder auf den Oder-Neiße Radweg weiter gen Heimat. Ab da an war das schöne Wetter vorbei. Auf Phasen von Sonnenschein folgten Regenschauer. Doch wir mussten in die Pedalen treten, um Kilometer zu schaffen, dass wir am letzten Tag es langsam ausklingen lassen können. Trotz allem genossen wir die wunderbare Strecke entlang der Oder. wir beobachteten Graureiher, Schwäne en gros, Besuch der Burg Stolpe (Stolper Wehrturm), eine interessante Anlage mit Hohlweg.

In Hohensaaten war noch mal ein obligatorischer Boxenstop in einem Stützpunkt für durstige Vorbeikommende, den wir natürlich in Anspruch nahmen. Das Wetter hatte sich beruhigt und wir fuhren einen schönen Abend entgegen. Nächste Übernachtung wählten wir in der Nähe von Kienitz, natürlich an der Oder. Feuerchen gemacht, die Powermahlzeit Nudeln mit Gulasch und kaum fertig, fing es wieder an zu regnen, die ganze Nacht durch. Kein Problem, also kleine Zeltparty.

 

 

4.Tag

Nach einer durchregneten Nacht, der zum Morgen nachließ, rüsteten wir zur letzten Etappe der Tour. Regenschauer wechselten sich mit Phasen von strahlendem Sonnenschein ab. Kurz hinter Lebus überraschte uns auch noch ein Hagelschauer. Wir waren froh zu Hause anzukommen.

Trotz allem war es wieder mal eine gelungene Radeltour. Nach einem ausgiebigen Bad, war man wieder fit.

Ende